Samstag, 25. November 2006

Die nächsten Wochen

Allora, nachdem ich mir das schon seit Wochen vornehme, und die Zeit dann doch mehr oder weniger sinnvoll anderweitig verbringe, muss ich hier doch mal wieder was schreiben. Nachdem der ganze spannende Anmeldungskram nun aber schon vorbei war, werde ich nur von einzelnen Tagen bzw. Ereignissen berichten.

Sonntag, 22.10.2006
Wie im letzten Eintrag noch am Ende angedeutet war für den 22.10.2006 noch ein Ausflug in eine der Städte in der Umgebung geplant. Wir sind dann aber nicht mit dem Zug irgendwohin, sondern haben uns für ne Radtour entschieden. Wir, cioè (--> das heißt) Christian (tedesco), Bea (svizzera) und ich (anche tedesco ;-)). Also ging es am späten Vormittag mit unseren rostigen, klappernden Rädern los Richtung Castelfranco in Veneto im Norden Padovas. Da hier noch alles flach ist, kommt man relativ schnell vorwärts. Radwege gibts hier nicht wirklich, aber wir mussten
zum Glück nicht ständig auf großen Straßen fahren und der Verkehr hielt sich auch in Grenzen. Die Strecke war nicht so spannend, ab und zu ganz nette alte Häuser am Straßenrand oder schöne kleine Kirchen in den Dörfern.
Nach etwa zwei Stunden kamen wir in Castelfranco an. Die Stadt ist insgesamt nicht sonderlich ansehlich, aber im alten Stadtkern steht noch die fast vollständige Festungsmauer mit Graben. Der Mauerbereich ist zum Teil als Park gestaltet, ein paar Blumen etc. Innerhalb der Mauern aßen wir dann in einem Café zu Mittag, nur Panini und Toasts, da Pizzerien etc. um diese Zeit zu hatten. Der ganze Ort war aber auch total verschlafen, kaum Touristen oder andere,obwohl ja immerhin Sonntag war.
Wir blieben auch nicht mehr lange und nach einer kleinen Runde um die Mauern gings über San Martino weiter nach Cittadella. Das Besondere an Cittadella ist, dass hier die komplette Stadtmauer (Stadtmauer, nicht wie in Castelfranco nur Festungsmauer) um den alten Stadtkern erhalten ist. Nachdem Castelfranco fast ausgestorben wirkte, war Cittadella ein echter Kontrast. Wir hatten das Wochenende erwischt, an dem ein großer Markt in der Stadt und um die Mauer herum abgehalten wurde, der nur einmal im Jahr stattfindet. Man schubste und schob sich also zwischen den Menschen und Ständen nur so durch. Aber da die Mauer das Spannendste an der Stadt ist, gings erstmal da rauf. Dsbei gibts zwei Dinge, die die Mauer von anderen unterscheiden, zum Beispiel von Nördlingen, um mal ein deutsches Beispiel zu nennen. Erstens, man kann die Mauer absolut komplett begehen, also wirklich einmal komplett um den Stadtkern herum! Zweitens, die Mauer ist um einiges höher als die meisten Häuser des Ortes, man hat also während der ganzen Runde einen tollen Blick auf die Stadt nach innen und außen. Hier oben konnte man dann gemütlich das Gewusel unten in den Straßen betrachten und am Horizont konnte man die Alpen sehen. Wenn ihr mal in die Gegend kommt, unbedingt Cittadella anschauen!!!! Nach der Mauerrunde gings dann doch noch in die Ortsmitte auf den Markt, auf dem man wirklich von allem was bekommen konnte, alles mögliche an Gewürzen, Obst, Fleisch, Kleidung..., aber außerhalb der Mauern auch Fahrzeuge, Wohnmobile, Traktoren etc.
Auch sehr spannend, aber man musste immer schauen wo man hintritt und konnte sich nicht so umsehen. Den Ort sollte man wohl auch nochmal anschauen, wenn kein Markt stattfindet.
Da es dann schon langsam dunkel wurde, gings zurück nach Padova. Sehr lustig, als wir aus Cittadella rauswollten, wurde von einem Polizisten der Verkehr geregelt, der uns fragte, wo wir hinwollten. Christian meinte: "Padova", und der Polizist total verdutzt: "In bici?!!" ("mit dem Rad?!",Anmerk. des Verf. ;-)) Das ist so ungefähr die übliche Reaktion von Italienern auf Radtouren. Dass man in der Stadt Rad fährt, ok, das kennt man hier doch schon, aber außerhalb...vor allem waren wir in Cittadella 30 km von Padova entfernt, das sind Entfernungen, die man hier "mai, MAI!!!!" (--> niemals!) mit dem Rad zurücklegen würde! :-D Wir legten sie zurück und kamen dann so um acht nach insgesamt etwa 70 km wieder in Padova an, die sich auf jeden Fall gelohnt haben! Mein Rad hatte seine härteste Bewährungsprobe überstanden und überlebt jetzt hoffentlich noch weitere 4 Monate padovaner Kopfsteinpflaster...

Sonntag, 29.10.2006
Am nächsten Sonntag stand mal wieder ein Stück Padova an. Christian hatte über einen Freund erfahren, dass man den renovierten, wiedereröffneten Salone dei Vescovi nahe dem Dom an diesem Wochenende kostenlos besichtigen kann.
Wir also dahin, ich ein bisschen zu früh, weil ich die Winterzeit- umstellung vergessen hatte...ABER: zu meiner Verteidigung muss ich sagen, ich hatte mich drauf verlassen, dass mein Notebook mich da vormittags drauf aufmerksam macht. Ist aber mein erster Computer mit Windows XP home und nicht professional, und das Programm ändert die Systemzeit offensichtlich ohne es dem Benutzer mitzuteilen...find ich eine ziemliche Unverschämtheit, aber, na ja, was soll ich sagen, Microsoft eben...
Zurück zum Salone dei Vescovi. Vescovi sind im italienischen die Bischöfe, der Saal ist also Teil des alten Bischofssitzes. Die Wände des Saales sind komplett bemalt, in erster Linie mit Abbildern früherer Bischofe, aber auch mit Motiven, die für bestimmte Eigenschaften stehen, Weisheit etc. Außerdem sind die Wände so bemalt, dass man den Eindruck hat, er wäre von Säulen umgeben und habe mehr Fenster, als tatsächlich vorhanden sind. Sehr beeindruckende optische Täuschungen!
In benachbarten Räumen kann man noch weitere Gemälde mit biblischen Motiven anschauen, von Tiziano etc. Ohne eine genauere Interpretation sind die Motive aber doch ein wenig eintönig, Jesus hier, Maria da, Himmelfahrt dort... des Weiteren gab es noch alte kirchliche Gewänder und ein paar Reliquien zu sehen, kein katholischer Raum ohne Leichenteile eben, molto divertente! :-D

Mittwoch, 01.11.2006
Am Mittwoch drauf hatten wir hier Feiertag, Allerheiligen, Ognissanti. Der freie Tag wollte auch genutzt werden, Katholiken mögen sicher in die Kirche gegangen sein um sich die Reste ihrer Heiligen anzuschauen (siehe oben ;-)), wir entschlossen uns aber zu einem Ausflug nach Ferrara. Wir waren diesmal Christina (anche svizzera) und ich, Christian kam etwas später nach.
Da sich Ferrara, wir der geneigte Leser sicher weiß, nicht mehr im Veneto, sondern der Emila-Romagna befindet, nutze uns der Veneto-Reiseführer hier nichts, also zunächst Richtung Touri-Info. Die hatte jedoch an Sonn- und Feiertagen geschlossen, ist ja logisch, an den Tagen kommen ja niiiie Touristen in die Stadt...*die Augen verdreh*... ok, ok, es gibt noch ne andere Info, die dann später Christian entdeckt hatte, aber das hätte man an die erste auch dranschreiben können. Also, erstmal an einem Bücherstand einen kleinen Ferrara-Führer besorgt und ein bisschen durch die Stadt geschlendert bis vor die Stadtmauer, die hier auch noch relativ gut erhalten sind. Diese hier jedoch aus dem 16. und 17.Jhdt., die zur Abwehr von den neuentwickelten Geschützen flacher und um ein vielfaches dicker gebaut wurden als etwa mittelalterliche Mauern. Am späten Mittag trafen wir dann Christian und nach einem kurzen Blick in die alte sehr schöne Festung aßen wir erstmal Döner unter der Garibaldi-Statue, die Italiener mögen das verzeihen! ;-) Danach weiter durch die Stadt und schließlich in den Duomo, der außen bis auf die Front sehr schlicht ist, wie viele Kirchen hier, aber innen doch sehr schon wirkt. Besonders das Licht war sehr schön, da durch die wenigen Fenster am späten Nachmittag kaum nich Licht viel und der Raum nur durch Kerzen und Kronleuchter (ja, hat mich auch überrascht!) erhellt wurde. Schließlich spazierten wir noch im Dunkel durch sehr schöne enge Gassen mit alten Straßenlaternen, atmosphärisch wirklich toll, wie vieles in den Städten hier am Abend nochmal einen ganz anderen Charme bekommt. Darauf gings dann langsam Richtung Bahnhof. Ferrara war insgesamt ganz nett, hat mich aber nicht so sehr begeistert, wie ich erwartet hatte, nachdem es mir so sehr empfohlen worden war. Aber vielleicht sollte man das Renaissance-geprägte Stadtbild gesehen habe, BEVOR man die Renaissancestadt schlechthin, Florenz, gesehen hat. Gegen den Stil der toskanischen Städte kommt es meiner Meinung nach nicht an, aber das ist natürlich alles subjektiv. Schauts euch selbst an! :-)

Sonntag, 05.11.2006
Nachdem ich mich den Tag nicht wirklich aufraffen konnte, irgendwo hinzufahren hab ich wenigstens abends eine kleine Fahrrad-Spazierengehen-Tour durch Padova gemacht und den Nachtbildmodus meiner Digitalkamera getestet. Sind sehr schöne Bilder geworden, seid gespannt drauf!!! :-)

Samstag, 11.11.2006
Der Samstag war ein etwas unkoordinerter Ausflug nach Venedig bei dem wir, da die Gruppe zu groß war, nicht wirklich viel gesehen haben. Ich muss wirklich nochmal alleine hin. Aber ein bisschen Venedig am Abend hab ich auch schonmal mitbekommen, total leer und sehr still, fast schon einsam, da haben die Kanäle noch was zusätzlich faszinierendes. Die Stadt ist schon sehr beeindruckend!

Donnerstag, 16.11.2006
Heute mal was ganz anderes. Am Abend gings für mich ins Goethe-Institut, in der Hoffnung mal nen Tandempartner zu finden. War ganz lustig, ein paar neue Leute kennengelernt, auch Italiener, mal sehen, wie das weiterläuft, sind irgendwie noch andere Treffen mit Filmschauen oder so geplant. An so nem Abend lernt man auch gleich ganz andere Worte als im Sprachkurs... ;-)

Sonntag, 19.11.2006 und Mittwoch, 22.11.2006
So, nun mal ganz weg von Kultur, am Sonntag war Festa tedesca (etwa "deutsche Party") im Banale. :-D
Da ist jede Woche Sonntags ERASMUS-Party und die letzten Wochen nach Länderthemen. Das hieß diesmal, dass die erste Stunde mal deutsche Musik lief, von Rammstein bist "knallrotes Gummiboot" *die Augen verdreh* und es dann zum üblichen Zeug überging. Trotz der musica bruttissima wars aber an sich ganz lustig und ziemlich lang...
Mittwoch gabs dann außer der Reihe mal Diskoparty im "le Palais", das anscheinend sonst 25 Euro Eintritt kostet, aber für uns wars an dem Tag kostenlos und das schaut man sich dann schon mal an. Ging wieder sehr lang und seitdem ist mein Tag-Nacht-Rhythmus völlig daneben... *seufz*

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